Presseerklärung
Stellungnahme der Interdisziplinären Gesellschaft für Umweltmedizin (IGUMED) anläßlich der Verabschiedung von 100 Ärztinnen und Ärzten, die erstmals ihre umweltmedizinische Aus-und Weiterbildung bei der IGUMED erfolgreich absolviert haben.
"Umweltkrankheiten gefährden immer mehr Menschen - Umweltärzte fordern Politik, die Umweltkrankheiten vorbeugt!"

Die in der Interdisziplinären Gesellschaft für Umweltmedizin e.V. organisierten 600 Ärzte und Ärztinnen warnen vor einer Zunahme der Umweltkrankheiten, die die Gea´sungheit von immer mehr Menschen, besonders Kindern, gefährdet. Zurückzuführen sind die Umweltkrankheiten vor allem auf die vom Menschen selbst verursachte Umweltzerstörung und die damit verbundenen Schadstoffe und Umweltgifte, die z.T. lebensbedrohliche Krankheiten hervorrufen:
• Jedes Jahr nehmen die allergischen Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen zu. Inzwischen leiden 34% aller Jugendlichen an mindestens einer allergischen Krankheit, 20% aller Jugendlichen leiden an mehreren allergischen Krankheiten.
• Die Häufigkeit von Krebserkrankungen in immer jüngerem Lebensalter ist in den letzten 30 Jahren ständig gestiegen.
• Die weite Verbreitung immer zahlreicherer, in ihren gesundheitlichen Langzeitwirkungen nicht ausreichend untersuchter Umweltchemikalien führt zu nicht mehr reperablen Störungen des Nerven- und Immunsystems mit entsprechend schwerwiegenden, nicht heilbaren Krankheiten, Entwicklungsstörungen bei Kindern und zu zunehmender Unfruchtbarkeit bei Frauen und Männern.
• Die fortschreitende Umweltzerstörung, besonders auch durch das ungezügelte Wachstums des Autoverkehrs, beraubt immer mehr Menschen ihres gesunden Wohn- und Lebensraumes sowie besonders unsere Kinder ihrer Entfaltungs- und Spielmöglichkeiten.

Prävention, Information und Aufklärung sowie ärztliche Aus- und Weiterbildung sind die wesentlichen Aufgaben der heutigen Umweltmedizin, um den o.a. Gesunheitsgefahren angemessen begegnen zu können. Die Ausbildung in Umweltmedizin umfasst einen theoretischen Teil von insgesamt 200 Ausbildungsstunden und eine praktische Phase bei einem/r weiterbildungsermächtigten Arzt/Ärztin. Damit soll erreicht werden, dass umweltbedingt erkrankte Patienten eine kompetente ärztliche Hilfe und Betreuung erhalten. Fragen einer Ozoneinwirkung, Holzschutzmittelbelastung, Asbesteinwirkung oder elektromagnetische Wellen können ebenso behandelt werden wie Gefährdungsmöglichkeiten durch genetisch veränderte Lebensmittel. Über die Ausbildung der künftigebn Umweltmediziner will die IGUMED mitdazubeitragen, dass eine flächendeckende umweltmedizinische Versorgung betroffener Menschen sichergestellt werden kann.

Umweltkrankheiten vorzubeugen, ist nicht nur eine Aufgabe von Ärztinnen und Ärzten, sondern ebenso eine Herausforderung an unsere politischen Entscheidungsträger.

Wir dürfen nicht weiter wie bisher Technologien im grossen Massstab verwenden und Waren produzieren, deren gesundheitliche Folgen wir nicht ausreichend kennen und auf die unsere Gesellschaft erst dann verzichtet, wenn Wasser, Boden und Luft verseucht sind, die Muttermilch vergiftet ist und Tausende an schweren Krankheiten leiden.

Deshalb fordern wir Umweltärztinnen und -ärzte die Bundesregierung auf:
• Verzichten Sie aus Verantwortung für unser Leben und das zukünftiger Genersátionen auf die Option der Atomenergie. Leiten Sie durch Massnahmen zur konsequenten Energieeinsparung und durch Förderung regenrativerEnergien die notwendige Energiewende ein.
• Sorgen Sie durch eine Reduktion der verkehrsbedingten Schadstoffe durch die Förderung und den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.
• Verschärfen Sie die Zulassungskritrien für chemische Stoffe nach dem Chemikaliengesetz.
• Schreiben Sie gesetzlich Schadstoffgrenzwerte vor, die sich nur an der Gesundheit von Säuglingen und Kleinkindern orientieren.
• Schaffen Sie die Voraussetzungen für den Ersatz der Chlorchemie.

Stuttgart, den 30.06.1995