Presseerklärung
Neue Erkenntnisse belegen:
Grenzwerte von Umweltschadstoffen müssen drastisch reduziert werden!


Immer mehr Menschen erkranken durch ständige Belastungen mit den unterschiedlichsten Schadstoffeinflüssen in unserer Umwelt und Ausdünstungen von gesundheitsschädlichen Bausubstanzen in Innenräumen, Luftschadstoffen aus dem Strassenverkehr und aus Industrieschornsteinen, Pestizide in der Nahrung und dem Trinkwasser, radioaktive Belastungen in der Umgebung von Atomkraftwerken, Quecksilber aus amalgamhaltigen Zahnfüllungen - dies ist nur eine unvollständige Aufzählung von Belastungsquellen, die uns Menschen chronisch krank machen können.
Viele Betroffene fühlen sich jedoch von ihren Ärzten und der Gesellschaft nicht ernstgenommen, weil immer wieder beteuert wird, dass die zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung erlassenen Grenzwerte seien nicht überschritten worden.

All diese Grenzwerte, die überwiegend gesetzliche Verbindlichkeit haben, sind jedoch nur auf der Grundlage einer toxikologischen Einzelstoffbeurteilung festgesetzt worden. Die unendliche Vielfalt möglicher Wechselwirkungen der verschiedenen Schadstoffe und ihrer Abfallprodukte im menschlichen Körper ist dabei bisher nie berücksichtigt worden, da es hierüber fast keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse gibt. Neue grundlegene experimentelle Arbeiten über die bisher ausgeklammerten Kombinationswirkungen haben Ergebnisse geliefert, die das bisher gültige toxikologische Konzept der Grenwertfestlegung erschüttern. Erstmals konnte die Arbeitsgruppe von Frau Priv. Doz. Dr. Irene Witte von der Universität Oldenburg quantitativ nachweisen, in welchem Ausmass konzentrationsabhängig verschiedene Schadstoffe sich in ihrer Giftwirkung im menschlichen Körper verstärken können. Noch bei einem Drittel der bisher als unwirksam vermuteten Stoffkonzentrationen konnte im Gemisch mit anderen Substanzen  für verschiedene Schadstoffe eine toxische Wirkung nachgewiesen werden.

Diese neuen Untersuchungsergebnisse können folgenschwere Konsequenzen haben:
So gibt es Hinweise, dass eine bestimmte Form der frühkindlichen Leberzirrhose, die in Deutschland bereits 13 Todesopfer gefordert hat, nicht auf die Schadwirkungen eines einzelnen Stoffes zurückzuführen ist, sondern auf synergetische Kombinationswirkungen zwischen Kupfer und bestimmten Umweltchemikalien. Kombinationswirkungen dürfen daher bei der Ermittlung von Grenzwerten für die Umweltschadstoffe nicht mehr unberücksichtigt bleiben. Die Forschungsergebnisse von Frau Priv. Doz. Dr. Witte sind eine dringende Herausforderung für Wissenschaft und Umweltpolitik:
• Das Konzept der Grenzwertfestsetzung von Einzelsubstanzen über Tierversuche und rechnerische Übertragung der Ergebnisse auf den Menschen berücksichtigt die Kombinatinswirkung nicht und muss daher revidiert werden.
• Eine toxikologische Neubewertung von Schadstoffgemischen unter Berücksichtigung der Kombinationswirkungen hat besonders schädliche Folgen für empfindliche Risikogruppen (Ungeborene, Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, Kranke, Alte) in der Bevölkerung, denen schon bisher nicht ausreichend Rechnung getragen wurde. Wir fordern daher, dass bei allen toxikologischen Grenzwertentscheidungen nicht mehr der 70kg-schwere gesunde erwachsene Mann, sondern nur noch Kleinkinder als Referenzpersonen gesetzlich zugelassen werden dürfen.
• In allen bisher gesetzlich geregelten Zulassungsverfahren nach dem Arzneimittelgesetz, dem Pflanzenschutzmittelgesetz und dem Chemikaliengesetz müssen Kombinationswirkungen in Zukunft eine grössere Bedeutung erlangen unter besonderer Berücksichtigung der bisher vernachlässigten krebserzeugenden, fruchtschädigenden, erbgutverändernden und nervenschädigenden Langzeitwirkungen.
• Für das Trinkwasser müssen auf Grund der jetzt qualifizierbaren Kombinationswirkungen von Stoffgemischen strengere Grenzwerte gefordert werden. Daher ist der 1995 von der EU vorgeschlagene Verzicht auf den Summengrenzwert von 0,5 Mikrogramm/Liter für alle im Wasser gefundenen Pestizide ein wissenschaftlich nicht vertretbarer Rückschritt für die Gesundheitsvorsorge. Zumindest dieser Wert muss unbedingt beibehalten werden. Die hier vorgestellten Forschungsergebnisse erfordern sogar eine noch weitere Verschärfung, um gesundheitsschädlichen Wirkungen vorzubeugen.