Presseerklärung
Gentechnisch manipulierte Nahrungsmittel -
ein unkalkulierbares Gesundheitsrisiko!

Gemeinsamer Apell von Umweltärztinnen und Umweltärzten in Deutschland

Kritiker haben seit Jahren davor gewarnt - jetzt wird es Realität: In den nächsten Wochen kommt erstmals in grösseren Mengen gentechnisch verändertes Soja aus den USA auf den europäischen Markt. Die weite Verbreitung von Soja in mehreren tausend verschiedenen Produkten der Lebensmittelindustrie bewirkt, dass nahezu alle Menschen genmanipuliertes Essen unbemerkt auf den Teller bekommen.

Die Gentechnikkonzerne wissen, dass eine grosse Mehrheit in der Bevölkerung gentechnisch veränderte Nahrungsmittel ablehnt. Daher haben sie mit Erfolg gegen ein Kennzeichnungspflicht für gentechnisch manipulierte Nahrungsmittel in Europa gekämpft. Niemand weiss heute ob er/sie natürlich oder künstliche sojahaltige Nahrungsmittel zu sich nimmt. Die rechtliche Haftung der Produzenten ist damit ausgeschlossen, eine Schadenserkennung und -begrenzung für die Bevölkerung unmöglich.

Aus medizinischer Sicht ist dies ein Skandal:
• Die gentechnisch hergestellte Eigenschaft der Resistenz gegen das Pflanzenvernichtungsmittel "Round up" bringt der Umwelt nur Schaden und dem Menschen weitere Gesundheitsrisiken durch zunehmende Herstellung und erhöhten Einsatz des Herbizids. Ein Nutzen für Leben und Gesundheit des Menschen entsteht dabei nicht.
• Es gibt genügend Beispiele, dass die durch Gentechnik künstlich veränderten Eigenschaften einer Pflanze im Organismus anderer Lebewesen (Menschen und Tiere) gesundheitsschädliche Veränderungen auslösen können. Schwere allergische Reaktionen sind bisher am häufigsten beobachtet worden. Niemand kann vorhersagen, welche gesundheitlichen Folgen die weite Verbreitung des genmanipulierten Soja für Folgen haben wird.
• Auch der deutsch Ärztetag warnt vor den gesundheitlichen Risiken gentechnisch manipulierter Nahrungsmittel: Stellvertretend für die deutsche Ärzteschaft fordert der 99. Deutsche Ärztetag die Kennzeichnungspflicht von gentechnisch hergestellten Nahrungsmitteln. "Durch die Anwendung der Gentechnik im Ernährungsbereich können gesundheitliche Gefährdungen für den Menschen prinzipiell in den Herstellungsverfahren und beim Verzehr entstehen. ... Das allergene Potential vonneueigeführten Proteinen ist nicht abschätzbar. In Tests zur Nahrungsmittelverträglichkeit konnte nachgewiesen werden, dass allergische Reaktionen  durch die neueingeführten Proteine ausgelöst werden konnten.", so der Ärztetag in seiner Begründung.

Diesen Risiken ist der Verbraucher ab sofort schutzlos ausgeliefert. Daher haben viele Experten schon seit Jahren  vor der Anwendung der Gentechnik gewarnt - vergeblich. Auch eine ausnahmslose Kennzeichnungspflicht aller mit Hilfe von Gentechnik hergestellter Produkte, die dem Verbraucher zumindest eine Wahlmöglichkeit beim Einkauf eröffnet hätte, konnte gegen die mächtigen Industrieinteressen nicht durchgesetzt werden.

Aufrufe an die Verantwortung der Politiker helfen daher jetzt nichtmehr weiter. Nur ein konsequenter Boykott der genmanipulierten Erzeugnisse durch die Verbraucher kann ein Umdenken erwirken.

• Wir fordern daher die Hersteller von Nahrungsmitteln auf, auf den Einsatz der "neuen" Sojapflanzen sowie anderer gentechnisch manipulierter Produkte zu verzichten und dies als besonderes Qualitätsmerkmal auf den Produktverpackungen hervorzuheben.
• Wir fordern den Handel, die grossen Lebensmittelketten und alle Lebensmittelhersteller auf, Erzeugnisse aus gentechnischer Herstellung aus ihrem Sortiment zu nehmen bzw. zu meiden.
• Wir fordern alle Verbraucher auf, bei ihrem Einkauf um der gesundheitlichen Vorsorge willen nur Waren zu kaufen, die ihren Verzicht auf gentechnisch manipulierte Nahrungsmittel glaubhaft dokumentiert haben.

Wir Umweltärzte und Umweltärztinnen halten es für unsere Pflicht, die Bevölkerung über die unabwägbaren Risiken der neuen, gentechnisch veränderten Lebensmittel aufzuklären. Wir hoffen gleichzeitig, dass es uns allen als verantwortungsbewusste Verbraucher gelingen möge, den riskanten und überflüssigen Irrweg der Gentechnologie in der Herstellung von Nahrungsmitteln zu stoppen.

Bad Säckingen, den 16. September 1996